Kalenderwoche 8: Nadyne Saint-Cast

Nadyne, wann und warum hast du dein politisches Engagement gestartet? 

Ich war auf der Waldorfschule. Dort hatten wir das Fach “Gartenbau” und haben in der Natur gearbeitet. Das hat mich geprägt und hier habe ich gelernt, die Natur wertzuschätzen. Umweltverschmutzung hat mich früh umgetrieben, so dass ich mich bei der BUND Jugend engagiert habe. Damals wollte ich Greenpeace Aktivistin werden, bin dann aber zur Grünen Jugend und den Grünen gekommen. Denn ich habe gemerkt, dass viele Weichen in der Politik gestellt werden.  

Du hast letzte Woche an einem Webinar zum Thema “Starke Frauen. Starke Politik.” teilgenommen. Was ist deine Meinung, warum braucht es mehr Frauen in der Politik?

Parlamente sollten möglichst ein Spiegel der Gesellschaft sein. Da Frauen 50% der Bevölkerung ausmachen, gehören sie hier ganz klar dazu. Das ist nicht nur eine Frage von Demokratie und Gleichberechtigung, sondern macht politische Ergebnisse besser.

Da Frauen aufgrund der Rollenverteilung mehr in Fürsorgearbeit eingebunden sind als Männer, bringen sie hier schon alleine deswegen eine wichtige Perspektive mit. 

Was sind deine Einschätzungen bei den Grünen? Gibt es hier Probleme/ unangenehme Situationen aufgrund des Geschlechts?

Da wir als Partei schon immer eine Frauenquote haben, sind wir sehr gut aufgestellt. Frauen sind selbstverständlich zu 50% in politischen Parteiämtern und auf Wahllisten vertreten. Das hilft gegen Sexismus, der damit weniger Nährboden hat. Aber auch bei uns fielen und fallen „blöde“ und sexistische Sprüche. Das hängt auch immer von den einzelnen Personen ab. 

Was sind deine bisherigen Erfahrungen als Frau in der Politik? Hast du bisher Benachteiligung erlebt?

Aufgrund meines Geschlechtes nicht, nein. Aber aufgrund meiner Rolle als Mutter schon. In der Politik ist das Verständnis für Eltern mit kleinen Kindern kaum vorhanden. Politik ist mit einem Familienleben schwer vereinbar. Es wird häufig erwartet, dass Politiker*innen omnipräsent und immer erreichbar sind. Die Erwartungshaltung ist sehr hoch. Das ist falsch. Politik muss Familienleben zulassen, ansonsten schließen wir kategorisch die Bevölkerungsgruppe junger Eltern aus, was schade ist. Damit ist eine wichtige Perspektive in der Politik zu wenig vertreten.  

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